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13.10.2020 / Lessons learned

Kill that fucking ego - wie man mit Kritik umgeht

Tagelang hast du an dieser Arbeit gesessen. Deine Ideen – so genial, dass du dir dafür schon mehrfach selber auf die Schulter geklopft hast. Klare Sache. Das wird ein Home Run. Tag der Präsentation: während du auf deinen Moment wartest, überlegst du schon in welche Richtung du den Sektkorken durch den Raum schießt – ohne dabei die halbe Deko von der Wand zu holen. Mit voller Begeisterung präsentierst du das Ergebnis, in welches du die letzten Tage so viel Herzblut gesteckt hast. Dann ist es so weit. Dein Gegenüber holt aus, um dir den Ritterschlag für deine Arbeit zu erteilen.

 

“Das habe ich mir ganz anders vorgestellt. Ich denke, es …”

 

Und schon passiert es: krampfhaft beginnst du etwas zu verteidigen, in das du dich die letzten Tage verliebt hast. Wie das ausgeht, weiß jeder, der seiner Mutter an der Supermarktkasse schon mal klar machen wollte, warum man dieses verdammte Überraschungsei absolut verdient hat und jetzt haben will.

 

Ein alternatives Ende und drei Punkte, wie man dort ankommt, legen wir dir jetzt aufs Band.

Nimm dein Ego raus

… und lass dein Gegenüber erst mal ausreden. Instinktiv verfallen wir in eine Verteidigungshaltung, weil wir die Kritik an unserer Arbeit als einen Angriff auf uns verstehen. Wenn wir der Person, die uns Feedback gibt, direkt ins Wort fallen, erwecken wir den Eindruck: wir wissen und können eh alles besser. Natürlich ist es okay seine eigene Arbeit gut zu finden, stellenweise auch überragend. Jemand, der von seiner Arbeit überzeugt ist, gibt immer mehr als jemand, der das Gefühl hat, gerade einen Haufen Mist zu produzieren. Trotzdem haben wir die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen – keiner von uns. Und wenn jemand Einwände hat, sollten wir sie uns anhören und darüber nachdenken. In den meisten Fällen sind diese Einwände auch berechtigt. Nur wollen wir das im ersten Moment nicht sehen und schon gar nicht zugeben.

 

Versuch doch mal, noch mehr Feedback einzuholen anstatt dich zu verteidigen. “Hey guter Punkt, an welchen Stellen siehst du außerdem Potential zur Optimierung?” Ein einfacher Satz, der eine angespannte Grundstimmung in eine wertvolle Diskussion verwandeln kann.

Schreib es auf

Okay, das ist jetzt wirklich next level. Wechseln wir für einen Moment die Seite. Stell dir mal vor, du kritisierst die Arbeit von jemanden und der nimmt sich einfach einen Stift in die Hand und schreibt es auf. Was ist das für ein Gefühl? Ein verdammt gutes! Es gibt dir nämlich das Gefühl, dass deine Meinung wertgeschätzt wird. So etwas erlebt man leider viel zu selten. Aber jedes Mal, wenn wir es sehen, denken wir uns: “Das sind genau die Leute, mit denen wir arbeiten wollen. Die haben es drauf!”.

 

Wenn du dir Notizen machst, zeigst du nicht nur, dass du mit Kritik umgehen kannst, sondern auch, dass du dich bereits in der Vorbereitung befindest, die genannten Probleme zu lösen. Chapeau!

Arbeitet zusammen - nicht gegeneinander

Wer Feedback einholt, hat bereits eine Grundlage für Zusammenarbeit geschaffen. Wenn du es jetzt geschickt anstellst, kannst du noch viel mehr aus einem Feedbackgespräch rausholen, als dir vielleicht bewusst ist. Lässt du die Ideen deines Gegenübers in deine Arbeit einfließen, dann wird aus “deiner” Arbeit “eure” Arbeit. Das wird dem ein oder anderen jetzt erst mal aufstoßen. Wer will schon andere mitspielen lassen, wenn man doch selber den coolsten Bagger auf dem Spielplatz hat? Die Benefits liegen aber klar auf der Hand. Lässt du andere “mitspielen”, dann werden sie auch ganz anders hinter deiner Arbeit stehen, als davor. Sie werden dir nicht nur immer wieder gerne Feedback geben, sie werden deine Arbeit sogar vor anderen verteidigen. Sie haben etwas beigetragen und fühlen sich jetzt als Teil des Ganzen.

 

Bist du nicht bereit andere an deiner Arbeit teilhaben zu lassen, brauchst du dich auch nicht wundern, wenn dein Bagger im nächsten Gebüsch landet, sobald du dich umdrehst.

Happy End

Wenn du diese Punkte bei deiner nächsten Präsentation im Hinterkopf (und immer was zum Schreiben in der Tasche) hast, bist du bereits gut auf das Unerwartete vorbereitet. Nämlich darauf, dass jemand deine Arbeit nicht so feiert, wie du es dir gedacht hast. Dabei sind genau diese Situationen verdammt wichtig. Sie geben dir die Gelegenheit, deine Arbeit mit den Augen eines anderen zu sehen. Es bringt dich nicht weiter, wenn deiner Sicht auf die Dinge nie widersprochen wird. Kritisches Feedback bietet dir die Möglichkeit deine Arbeit und dich selbst auf das nächste Level zu heben. Und wenn wir eines gelernt haben, dann ist es, dass wir nie ausgelernt haben!

Neugierig was in unseren Überraschungseiern drin war? Dann finde es heraus auf unserem Instagram Account.

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